

Vermögen aufbauen dank Vorsorge
26/10/2026
In diesem in «Le Temps» erschienenen Artikel erläutert Mélanie Erb-Zimet, diplomierte Steuerexpertin bei der Bank Bonhôte, warum die berufliche Vorsorge ein wichtiger Hebel für junge Berufstätige ist.
Sich schon zu Beginn der beruflichen Laufbahn mit der beruflichen Vorsorge zu befassen, mag verfrüht erscheinen, da der Ruhestand zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt und die finanziellen Prioritäten eher auf andere, unmittelbarere Projekte ausgerichtet sind. Eine frühzeitige Vorsorgeplanung ermöglicht es jedoch oft, ohne grosse finanzielle Einbussen ein Vermögen aufzubauen. Dank der langen Sparphase kann man dabei vom Zinseszins-Effekt profitieren: Die Erträge aus dem Vorsorgekapital werden reinvestiert und generieren ihrerseits wiederum neue Erträge usw. Ein positiver Kreislauf, der umso attraktiver ist, als das Vorsorgekapital und seine Erträge steuerfrei sind.
Es gibt jedoch Hindernisse, die das Verständnis des Schweizer Vorsorgesystems erschweren. Einerseits bietet das auf drei Säulen basierende System zwar dank seiner Diversifizierung eine gewisse Sicherheit, doch macht seine Vielfältigkeit die Planung komplex. Andererseits ist der Zugang zu den Daten der eigenen Vorsorge kompliziert. Bis heute gibt es kein zentrales Register, das einen schnellen Überblick über die Situation der 1. und 2. Säule ermöglicht.
Für einen Laien reicht das Lesen eines individuellen AHV-Kontoauszugs (der nur auf Anfrage bei der eigenen Ausgleichskasse erhältlich ist, sofern man diese überhaupt kennt…) allein noch nicht aus, um die Höhe der zukünftigen Rente zu ermitteln. Die Angaben zur 2. Säule sind hingegen auf dem Pensionskassenauszug aufgeführt, den man in der Regel jährlich erhält. Dieser enthält eine Vielzahl relevanter Informationen (Höhe des angesparten Kapitals, Hochrechnung des Kapitals oder der Renten im Pensionsalter, Versicherungsleistungen bei Invalidität oder Tod, Höhe der einkaufbaren Lücke, verfügbarer Betrag für die Wohneigentumsförderung, usw.), doch jede Pensionskasse hat ihre eigene Art, diesen Auszug zu erstellen, und es ist oft schwierig, sich darin zurechtzufinden. Es wäre wünschenswert, einen jederzeitigen Zugang zu diesen Daten in einheitlicher und digitalisierter Form zu gewährleisten. Die Komplexität und Undurchsichtigkeit dieses Systems führen dazu, dass die meisten Versicherten weder die Höhe ihres Vorsorgeguthabens kennen noch wissen, wofür sie es nutzen könnten.
Die Vorteile der Vorsorge sind in erster Linie steuerlicher Natur: Die Beiträge sind vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig. Dies gilt sowohl für die «ordentlichen» Beiträge zur AHV (1. Säule), zum BVG (2. Säule) oder, in begrenztem Umfang, zur individuellen Vorsorge (3. Säule), als auch für den Einkauf von Beitragslücken in der 2. und, ab 2025 in gewissem Umfang, in der 3. Säule a. Beitragslücken in der 2. Säule entstehen vor allem bei einer Erhöhung des versicherten Lohns, was häufig in den ersten Jahrzehnten des Berufslebens der Fall ist. Eine langfristige Planung dieser Einkäufe ist sinnvoll, und wenn man sie frühzeitig in Betracht zieht, lassen sich diese Lücken nach und nach schliessen.
Ausserdem beschränkt sich die Vorsorge nicht nur auf die Finanzierung der Pensionierung! Das Vorsorgeguthaben der 2. und 3. Säule kann auch zur teilweisen Finanzierung des Erwerbs von Wohneigentum verwendet werden (Kapitalbezug oder Verpfändung). Da das Durchschnittsalter beim ersten Immobilienkauf in der Schweiz bei rund 40 Jahren liegt, kann das seit Beginn des Berufslebens angesparte Kapital bereits beträchtlich sein, wenn es richtig geplant wurde. Dies lässt dem Eigentümer auch genügend Zeit, einen Kapitalbezug zurückzuzahlen, falls er später vom Steuervorteil profitieren möchte, der mit dem Nachkauf von Beitragslücken in der 2. Säule verbunden ist.
Es ist ebenfalls möglich, das Pensionskassenguthaben zu beziehen, um die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit zu finanzieren. Angesichts des Risikos, dass die Tätigkeit scheitert und das Vorsorgekapital dann verloren geht, ist diese Option für jüngere Personen attraktiver, die ihre Ersparnisse anschliessend wieder aufbauen könnten.
Schliesslich deckt die 2. Säule auch die Risiken Invalidität und Tod ab. In dieser Hinsicht bietet sie einen guten Schutz für den Versicherten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, aber auch für dessen Ehepartner und Kinder. Dies sind oft die Jahre, in denen ein unglückliches Ereignis das finanzielle Gleichgewicht einer Familie stärker erschüttern könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn die berufliche Vorsorge für junge Berufstätige komplex und etwas abstrakt erscheint, bietet eine frühzeitige Auseinandersetzung damit bedeutende finanzielle Chancen. Von der Steueroptimierung über die Vorbereitung von Lebensprojekten wie dem Erwerb von Wohneigentum oder der Selbstständigkeit bis hin zum Schutz der Angehörigen bietet sie Vorteile, die weit über die Altersvorsorge hinausgehen. Trotz der Hindernisse beim Zugang zu Informationen ermöglicht eine frühzeitige und regelmässig aktualisierte Planung der beruflichen Vorsorge somit, aus vermögensrechtlicher Sicht das Beste daraus zu machen.
Den Artikel in «Le Temps» lesen (auf Französisch): https://www.letemps.ch/contenus-partenaires/constituer-son-patrimoine-grace-a-la-prevoyance
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